Christen von IS-Terroristen entführt

Im Kloster “Mar Elian”.

Im Kloster “Mar Elian”.

KIRCHE IN NOT bittet um das Gebet für Geiseln und Entführer

Gottesdienst nahe der syrischen Stadt Karjatain.

Nach der Entführung dutzender Christen durch die Terrorgruppe „Islamischer Staat“ (IS) in der vergangenen Woche ist die Sorge der Menschen in Syrien groß. „Wir wissen nicht, was der ,Islamische Staat‘ mit den Geiseln vorhat“, so der syrisch-katholische Ordensmann Pater Jihad Youssef gegenüber KIRCHE IN NOT.

Der syrische Ort Karjatain nahe Homs war am Donnerstag vergangener Woche von der Terrormiliz „Islamischer Staat“ erobert worden. Dabei nahmen die Terroristen zahlreiche Christen und Muslime als Geiseln.

„Will der IS verhandeln und die Leute freilassen oder sie töten? Wir wissen es nicht. Normalerweise lassen sie den Christen drei Möglichkeiten. Entweder sie bezahlen die Dschizya, die Kopfsteuer, oder sie konvertieren zum Islam oder sie müssen den Ort verlassen. Letzteres ist offenbar nicht erfolgt, sonst wären die Christen schon gegangen“, so Pater Jihad.

Der Ordensmann erklärte weiter, dass unklar sei, wie viele Christen sich in der Hand des IS befänden. „Berichte, wonach es vielleicht 160 Personen sein könnten, klingen realistisch. Das ist etwa die Zahl der Christen, die bis zuletzt in Karjatain ausgeharrt haben.

Aber wir wissen nicht, ob alle verbliebenen Christen vom IS als Geiseln genommen worden sind oder ob sich manche versteckt halten. Etwa 30 Christen gelang Ende der Woche die Flucht nach Homs“, sagte Pater Jihad. Derzeit bemühten sich der syrisch-orthodoxe und der syrisch-katholische Bischof von Homs über Kontaktleute um eine Freilassung, so Pater Jihad.

Pater Jihad gehört der katholischen Ordensgemeinschaft von Mar Musa an, die in Karjatain ein Kloster unterhält. „Wir haben dort noch immer einige Laienmitarbeiter, die für uns arbeiten. Einer hat uns kürzlich noch über WhatsApp informiert, dass es ihnen gut gehe und der IS unser Mar-Elian-Kloster noch nicht besetzt habe.

Wir haben jetzt aber keinerlei Kontakt mehr zum Ort, auch nicht über Telefon. Wir wissen deshalb nicht, ob unser Kloster vom IS besetzt ist oder nicht, und wie es unseren Mitarbeitern oder den Geiseln geht.“

Das Kloster Mar Musa in Syrien.

Ende Mai war in Karjatain ein Mitbruder von Pater Jihad, Pater Jacques Mourad, zusammen mit dem Diakon Boutros entführt worden. „Wir haben keinerlei Informationen, wie es Pater Jacques geht oder wo er ist“, so Pater Jihad. „Wir haben alles versucht. Ich weiß nicht, wie die jüngsten Ereignisse in Karjatain die Lage unserer Mitbrüder beeinflussen wird.“

Pater Jacques, so vermutet Pater Jihad, sei entführt worden, weil er sich um den Dialog und das friedliche Zusammenleben von Christen und Muslimen bemüht habe. „Er hat seit vielen Jahren Brücken zwischen den Religionen gebaut. Das hat sich jetzt im Krieg bewährt.“

Pater Jacques Mourad wurde am 22. Mai 2015 von Unbekannten entführt.

Pater Jacques engagierte sich im Kloster „Mar Elian“ für die unter den Folgen des syrischen Kriegs leidenden Menschen. Er hat besonders auf Renovierungsprojekte Wert gelegt, damit die Menschen wieder in ihren zerstörten Häusern leben können.

Aber auch psychologische Betreuung der Menschen im Krieg und andere humanitäre Nothilfe waren ihm wichtig. Seit Jahren wurde Pater Jacques‘ Arbeit von KIRCHE IN NOT unterstützt.

Pater Jihad berichtet, dass die Angst in Syrien nach den Entführungen groß sei. „Besonders die Christen in den Orten nahe Karjatain haben Angst. Viele Leute denken daran, ihre Orte oder gar das Land zu verlassen. Die Angst wächst.“

Pater Jihad dankt KIRCHE IN NOT für die Unterstützung. „KIRCHE IN NOT hat so viel für uns getan, besonders in Karjatain. Dafür sei den Wohltätern von Herzen gedankt. Besonders rufe ich sie jetzt zum Gebet für unsere entführten Mitbrüder und die Geiseln von Karjatain auf. Möge Gott die Herzen der Entführer wandeln, damit sie barmherzig mit ihren Geiseln sind.“



Kategorien:IS

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