IS entführt Hunderte Muslime und Christen

In einem syrischen Ort leben Muslime und Christen lange Zeit friedlich zusammen. Dann erobert der Islamische Staat die Gemeinde – und entführt mehr als 200 Menschen. Ein Jahr nach Beginn der Luftschläge sind die Terroristen offenbar kaum geschwächt.

Auf Facebook veröffentlichte der IS Bilder von einem von den Regierungstruppen eroberten Panzer, südwestlich von Palmyra. (Foto: AP

Auf Facebook veröffentlichte der IS Bilder von einem von den Regierungstruppen eroberten Panzer, südwestlich von Palmyra.
(Foto: AP

n einem syrischen Ort haben Islamisten mindestens 230 muslimische und christliche Zivilisten entführt. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) habe 170 Sunniten und mehr als 60 Christen in dem Ort Al-Karjatain im Zentrum des Landes verschleppt, erklärte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Amnesty International rief zur sofortigen Freilassung der Zivilisten auf.

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Die Dschihadisten verschleppten ihre Opfer laut Beobachtungsstelle am Donnerstag in dem Ort, das sie am Vortag erobert hatten. Den Christen und Sunniten werde „Kollaboration mit dem (syrischen) Regime“ vorgeworfen.

Nach Angaben des Leiters der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman, hatte der IS eine Liste mit den gefangen zu nehmenden Menschen. Die Dschihadisten hätten dann aber teilweise einfach ganze Familien gefasst, die fliehen wollten. Die Beobachtungsstelle bezieht ihre Informationen von einem Netzwerk von Ärzten und Aktivisten in Syrien. Für Medien sind ihre Angaben kaum nachprüfbar.

Etliche Christen flohen

Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International sprach von einer „verabscheuungswürdigen Entführung“, die die „fürchterliche Not“ der Zivilisten in dem bewaffneten Konflikt in Syrien zeige. Die IS-Miliz müsse Kriegsregeln respektieren und die Zivilisten „sofort“ unversehrt freilassen.

In Al-Karjatain lebten vor dem Ausbruch des Krieges in Syrien vor vier Jahren etwa 18.000 Sunniten sowie 2000 syrische Katholiken und Orthodoxe. Viele Christen flohen später aus dem nördlichen Aleppo in den Ort. Doch nach Angaben von Bischof Matta al-Kury in Damaskus lebten nach dem IS-Angriff nur noch 180 Christen in dem Ort. Demnach zwang der IS manche Zivilisten zum Hausarrest, um sie als „menschliche Schutzschilde“ gegen Angriffe der Regierungstruppen zu missbrauchen. Hunderte Christen flohen laut Beobachtungsstelle aus vier benachbarten Dörfern vor dem IS.

Zweifelhafte Bilanz

In der strategisch wichtigen Ortschaft waren die Beziehungen zwischen Muslimen und Christen immer ausgezeichnet, wie eine frühere Bewohnerin des Ortes berichtete. Nach der arabischen Invasion im 7. Jahrhundert sei in jeder christlichen Familie die Hälfte der Mitglieder zum Islam konvertiert, um die anderen zu schützen. Daher tragen den Angaben zufolge viele denselben Nachnamen, auch wenn sie unterschiedlichen Religionen angehören.

Das internationale Anti-Terror-Bündnis hat derweil in einem Jahr fast 6000 Luftangriffe gegen den IS geflogen. Seit Beginn des Lufteinsatzes der US-geführten Koalition am 8. August 2014 habe es mehr als 5900 Bombardements gegen den IS-Stellungen im Irak und in Syrien gegeben, teilte das Verteidigungsministerium in Washington mit.

Ziel der Luftschläge sei gewesen, die Beweglichkeit der IS-Kämpfer einzuschränken, den Nachschub abzuschneiden und die Kommandostruktur der Miliz zu beeinträchtigen, hieß es nach Angaben der US-Kommandeurs der gemeinsamen Luftkampagne, Generalleutnant C.Q. Brown Jr. Demnach haben die Luftschläge die Fähigkeit der Terrormiliz eingeschränkt, selbst große Offensiven zu starten. Zuvor hatte US-Vizeaußenminister Tony Blinken gesagt, dass 10.000 IS-Kämpfer bei Angriffen getötet worden seien. Dennoch ist der IS nach Einschätzung der US-Geheimdienste kaum geschwächt worden und so stark wie vor einem Jahr.



Kategorien:IS

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