Wie geht es den Christen im Irak?

Ein Jahr nach der Vertreibung durch ISIS

Ein irakischer Sicherheitsmann beschützt eine Kirche nahe der Stadt Mossul vor Übergriffen durch islamistische Milizen

Ein irakischer Sicherheitsmann beschützt eine Kirche nahe der Stadt Mossul vor Übergriffen durch islamistische Milizen

Mit dem Vorstoß im Norden des Irak im vergangenen Sommer, der Einnahme der Millionen-Metropole Mossul und den militärischen Erfolgen in der Ninive-Provinz, löste ISIS eine Massenflucht religiöser Minderheiten aus – darunter auch Zehntausende Christen.

Heute jährt sich die Vertreibung der Christen aus der einstigen Christen-Hochburg Karakosch durch die ISIS-Terrormiliz zum ersten Mal.

Bei ihrem Vormarsch auf Mossul hatten die Terroristen Klöster, Kirchen und christliche Friedhöfe zerstört. In der Stadt kennzeichneten die Häuser der Christen und stellten sie vor die Wahl: Horrende Schutzsteuer, Übertritt zum Islam, Flucht – oder das Schwert.

Die ISIS-Terroristen fotografierten sich im Irak dabei, wie sie die Kreuze auf Kirchen und Friedhöfen zerstörten…Foto: ISIS Twitter
…und ihre eigene schwarze Flagge hisstenFoto: ISIS Twitter

Ein Massenexodus setzte ein. Wer die Stadt verlassen konnte, floh – viele ins nahe, mehrheitlich christliche Karakosch.

Am 7. August drangen die ISIS-Terroristen auch nach Karakosch und zwölf andere christliche Dörfer vor. Bis dahin war Karakosch die größte christliche Stadt im Irak.

Die kurdischen Truppen konnten die Stellung nicht halten, und die Christen flohen mit dem, was sie am Leib trugen. Am Abend war Karakosch entvölkert und ISIS zog ein.

Mit dem arabischen Buchstaben „N“ kennzeichneten die Terroristen die Häuser in Mossul, in denen Christen lebten. Es steht für Nazarener, wie die Christen im Koran genannt werden
Mit dem arabischen Buchstaben „N“ kennzeichneten die Terroristen die Häuser in Mossul, in denen Christen lebten. Es steht für Nazarener, wie die Christen im Koran genannt werden Foto: AFP

Zehntausende Christen in den Kurdengebieten aufgenommen

Seit 2003 ist die Zahl der Christen im Zweistromland infolge des Bürgerkriegs und der Verfolgung durch radikale Islamisten von geschätzten 1,5 Millionen auf rund 300 000 gesunken.

Insgesamt sind laut dem syrisch-katholischen Erzbischof von Mossul, Johanna Boutros Mosche, 50 000 Christen im Irak auf der Flucht – 12 000 Familien mussten ihre Häuser verlassen und in Flüchtlingslagern unter teilweise schrecklichen Bedingungen Schutz suchen.

Der größte Teil der Christen sei in die irakischen Kurdengebiete geflohen, rund 3000 Familien hätten das Land ganz verlassen.

Insgesamt leben etwa zwei Millionen Flüchtlinge in Kurdistan – einer Region, die selbst nur acht Millionen Einwohner hatte.

Eine zerstörte Marienstatue im St. George-Kloster in Mossul. ISIS-Terroristen haben hier mit Vorschlaghämmern alle christlichen Symbole zerstört
Eine zerstörte Marienstatue im St.-George-Kloster in Mossul. ISIS-Terroristen haben mit Vorschlaghämmern alle christlichen Symbole zerstörtFoto: ISIS Twitter

Christliche Würdenträger fürchten, dass die christliche Gemeinde im Irak langfristig praktisch ganz verschwindet.

Wolfgang Baake (64), Beauftragter der Evangelischen Allianz am Sitz des Deutschen Bundestages und der Bundesregierung, zeigte sich erschüttert von der Situation der Christen im Irak:

„Neben Nordkorea und Syrien ist die Lage der christlichen Gemeinde dort weltweit am dramatischsten“, sagte Baake zu BILD.

„Was die Terroristen von ISIS mit den Menschen machen, ist wirklich mit den Grausamkeiten der Nationalsozialisten vergleichbar. Sie entführen Kinder, vertreiben und töten ganze Familien. Die Methoden dieser Miliz sind an Unmenschlichkeit nicht zu überbieten.“

Irakische Christinnen beten in einer Kirche in Karrada (nahe Bagdad). Die 1800 Jahre alte Gemeinde ist in ihrer Existenz gefährdet
Irakische Christinnen beten in einer Kirche in Karrada (nahe Bagdad). Die 1800 Jahre alte Gemeinde ist in ihrer Existenz gefährdet


Kategorien:Politik

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