Der Hintergrund der Avustruya Türk Federasyonu – ATF

Hintergrundbericht von Martin Bitschnau Autor des Buchs Amenien Tabu und Traum Die Fakten im überblick

Die Avustruya Türk Federasyonu – ATF, auf Deutsch: Österreichisch Türkische Föderation ist die Auslandsorganisation (in Österreich) der MHP-Türkei und wurde 1974 gegründet. Andersherum gesehen, die ATF ist der österreichische Dachverband, unter der alle türkisch -nationalistischen Organisationen koordiniert und vernetzt sind. Dazu gehören laut Thomas Schmidinger sowohl „Sport- und Kulturvereine“ als auch „Moscheegemeinden mit kleinen Gebetsräumen“ darunter befinden sich unter anderem die Avrasya (Linz) oder die Safak (Dornbirn).

Neben der Avustruya Türk Federasyonu – ATF, gibt es beinahe in jedem europäischen Land eine Dachorganisation der MHP. Beispielsweise in der Schweiz ist es die İsviçre Türk Federasyon – ITF, und in Deutschland die Almanya Türk Federasyon – ATF.
Obgleich die MHP in vielen EU-Staaten wegen ihrer rechtsextremen Gesinnung vom Verfassungsschutz des jeweiligen Landes überwacht, mit Waffen und Drogenhandel in Verbindung gebracht wird, geschieht hier in Österreich in dieser Hinsicht nichts.

Die MHP hatte in den vergangen 20 Jahren eine Transformation durchlaufen. Ein Grund dafür ist der Zusammenbruch des Kommunismus russischer Prägung. Die MHP war das Bindeglied zwischen türkischen/türkischstämmigen Politikern und dem Netzwerk der Stay-behind-Organisation (Gladio-Netzerk). Stay-behind-Organisation war der Deckname einer paramilitärischen Einheit der Nato, die in ganz Westeuropa (auch in Österreich und der Türkei) installiert und bewaffnet wurde, um im Falle einer Invasion des Warschauer Paktes, Sabotage gegen diese Truppen durchzuführen. In jedem Land hatte die paramilitärische Einheit einen eigenen Namen. Der italienische Verband – Gladio – wurde bekannt (und zum Synonym) wegen Terroranschlägen, und Morde in Italien, und der darauffolgenden Untersuchung.

Der türkische Verband (Gladio-Zweig) wurde auch Counter-Guerilla oder Kontra-Guerilla genannt. Abdullah Çatlı, der Einfluss in die rechtsextremen Grauen Wölfe hatte, organisierte in der Türkei Straßenschlachten, Terroranschläge und Morde. Çatlı soll das Attentat auf Papst Johannes Paul II (1981) vorbereitet, und die Waffe für den Anschlag besorgt haben. 1990 brach Çatlı aus einem Schweizer Gefängnis, wo er wegen Drogenhandels einsaß, aus. Interpol suchte ihn per Haftbefehl. Çatlı stirbt am 3. November 1996 bei einem Autounfall in der Nähe von Susurluk. Mit ihm im Auto waren der Polizeichef von Ankara, und ein Abgeordneter des Türkischen Parlaments. (Susurluk-Skandal)

Am 4. Mai 1997 starb der Gründer der MHP, Alparslan Türkeş. Türkeş war als junger türkischer Offizier in den 1940er, der Kontakt zu den Nationalsozialisten, und wurde zeit seines Lebens, auch von seinen politischen Gegnern, Başbuğ (Führer) genannt.
Sein Nachfolger Devlet Bahçeli ist gemäßigter. Er weicht die MHP-Prinzipien vom „Rasse und Blut“ sowie dem Panturkismus auf. Trotzdem sagt Devlet Bahçeli, einstmaliger Vizepremier unter Ministerpräsident Bülent Ecevit und Vorsitzender der MHP resp. der »Grauen Wölfe«, noch im Januar 2005, unter Anspielung auf die antigriechischen Ausschreitungen früherer Jahrzehnte: »Was unsere Väter damals gemacht haben, können wir auch wieder tun!«

Ein wichtiger Grund ist, dass sich die politische Lage verändert hat. Um als Beitrittskandidat zur Europäische Union ernst genommen zu werden, müssen innenpolitische, wie außenpolitische Spannungen abgebaut werden, und Friede einkehren.

Seit Februar 2014 hat die MHP zwei armenischstämmige Stadträte (Nerses Yeramyan und Elmas Giragos) im Stadtrat von Bakırköy (Stadtteil von Istanbul). Jedoch dienen diese Personen eher als Feigenblatt.

Die MHP-Avrasya, um ein naheliegendes Beispiel zu nennen, gibt sich als Weltoffen und demokratisch, ist das aber nicht.

„In Oberösterreich nahm die Mitgliederzahl der Grauen Wölfe in letzter Zeit zu“ sagte schon im Juni 2009 die Intergrationsexpertin, und ehemaliges Mitglied des Linzer Integrationsbeirats, Tülay Tuncel in einem Interview, und führt weiter aus: „Gewalttätige Auseinandersetzungen zwischen türkisch-nationalistischen, und kurdischen Jugendlichen nahmen in Oberösterreich zu. Ich habe schon vor Jahren im Beirat auf die Rolle nationalistischer Vereine hingewiesen. Türkische Mütter erzählen, dass ihre Kinder von diesen Vereinen gegen Kurden aufgehetzt werden.“

Die gelebte Gesinnung muss als Grundlage zur Beurteilung von Organisationen/ Vereinigungen herangezogen werden. Eine MHP Teilorganisation, oder eine Organisation, die der MHP untersteht, trägt deren Ideologie mit. Dies gilt auch für die „Avrasya“ in Linz, die vom Linzer Bürgermeister gefördert, und offensichtlich protegiert wird. Die „Avrasia“ hat im April 2012 ihren „Führer“ Devlet Bahçeli, jenen, der meinte, die Handlungen (Verbrechen) der Väter wiederholen zu wollen, mit allen Ehren empfangen.

Diese Organisation betreibt seit Jahren die Leugnung des Völkermords – und deren Mitglieder verbreiten Hetzte und Angst gegenüber Armeniern, Assyrern und Kurden.

Die Werte der MHP untergraben die demokratischen Fundamente (weil sie diskriminieren [Armenier, Kurden, Assyrer sind bestenfalls Untermenschen]), und sind eine Gefahr für die Parteien, unsere demokratischen Strukturen und deren Vertreter, die mit ihr zu tun haben.

Die MHP glorifiziert eine Handlung – Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord, die vom UN-Sicherheitsrat als eine Bedrohung des Weltfriedens angesehen wird.

Die offizielle Türkei gibt ein Geschichtsbild von den Ereignissen von 1915 wieder, in der sie jede Verantwortung des Staates, und der damaligen politischen Führung an den Massenmorden von sich weist, und diametral zur Realität, und den ungeschönten Erinnerungen und Erzählungen vieler Ortsansässiger behauptet, dass die christlichen Minderheiten für die systematischen Massenmorde, Todesmärsche und Konzentrationslager selbst verantwortlich wären.

Revisionismus gehört in der Türkei, aber auch außerhalb der Türkei, unter den türkisch-nationalistischen Organisationen zum Alltag. Dies trifft auf die Weltanschauung der Milliyetçi Hareket Partisi – MHP (deutsch: „Partei der Nationalistischen Bewegung“) zu. Anhängerinnen und Anhänger der MHP lehnen den Begriff „Genozid“ ab, leugnen die Massenmorde während des Ersten Weltkriegs nicht, sie begrüßen die Vernichtung der Armenier, Aramäer, Griechen und Kurden.

Auch die Menschrechtsverletzungen gegenüber Aleviten und Kurden, speziell in den letzten 100 Jahren, werden als notwendige Maßnahme zum Erhalt des Staates, dem sich alles unterzuordnen hat, gesehen.

Solche und ähnliche Aussagen verwundern nicht, wenn das Grundgedankengut für die MHP, der Krieg als das „große und geheiligte Naturgesetz“ ist, und das „Militarismus und Heldentum auf die höchste Stufe der Verehrung erhoben werden“. Die verwendeten Symbole der MHP sprechen ebenso eine klare Sprache: Das offizielle Parteisymbol sind drei weiße Halbmonde auf rotem Grund, nach der offiziellen Kriegsflagge des Türkischen Reichs (1299-1923), unter welcher der Völkermord begangen wurde.

Am 20. April 2014 – (Adolf Hitlers 125ster Geburtstag) – feierte die Avusturya Türk Federasyon (ATF), den 40. Jahrestag ihres Bestehens im Gasometer in Wien. Und Herr Ing. Mustafa Iscel (ÖVP Wien-Favoriten), der wegen seines Wahlplakats, auf dem unter anderem zu lesen war „wenn sie nicht wollen, dass der Völkermord an den Armeniern anerkannt wird, … dann wählen sie ÖVP“, sich schon unmissverständlich positioniert hatte, lieferte das Empfehlungsschreiben.

Das Leugnen von Völkermorden ist laut dem Beschluss des „Rates der Europäischen Union“ vom 28. November 2008 (Rahmenbeschluss 2008/913/JI) die schwerste Form des Rassismus. Diesen Rassismus pflegt die MHP, deren Angegliederten und Organisationen.
Deviel Bahceli
Devlet Bahçeli mit dem „Wolfsgruß“



Kategorien:Genozid

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: